
Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Die Nationalsozialisten und ihre vielen Helfershelfer deportierten 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder aus Berlin ins Ghetto Litzmannstadt, dem von deutschen Truppen besetzten polnischen Łódź. Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert. Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben
Verfolgt, misshandelt, deportiert und getötet wurden bis zum Ende der Nazidiktatur auch Sinti und Roma, politische Gegner, Zeugen Jehovas und Bekennende Christen, Homosexuelle und Menschen wegen ihrer Gesinnung, Nationalität, Behinderung oder Erkrankung.
In allen Berliner Bezirken erinnern 25 Litfaßsäulen mit großflächig gestalteten Plakaten an diesen Zivilisationsbruch und die damit verbundenen Schicksale. Fotografien, Stolpersteine, Gedenktafeln und Kurzbiografien geben diesen 100 Menschen ein Gesicht. Diesem Terror der Nationalsozialisten sind in Berlin mindestens 55.000 Frauen, Männer und Kinder zum Opfer gefallen. Ab dem 13. Oktober 2026 bis zum 16. November 2026 wird an den 25 Litfaßsäulen mit Gedenkveranstaltungen daran erinnert.
Die Eröffnung des Gesamtprojektes findet am Donnerstag, 15. Oktober 2026, um 19 Uhr, in der Berliner Gedächtniskirche statt. Die Evangelische Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde mit der Pfarrerin Kathrin Oxen, der Moabiter Verein „Gleis 69 e.V.“ mit dem Vorsitzenden Dr. Thomas Abel, die regionalen Berliner Stolperstein-Initiativen und weitere Institutionen sind Kooperationspartner.
Für die Reden konnten Dr. Eva Umlauf, Auschwitzüberlebende und Präsidentin des Internationalen Auschwitzkomitees und Petra Rosenberg, Vorsitzende der Gedenkstätte Zwangslager Berlin-Marzahn, gewonnen werden.
Am Programm beteiligen sich Dr. Christoph Kreutzmüller als stellvertretender Projektleiter von »LastSeen: Bilder der NS-Deportationen«, die Schauspielerin Hanna Schygulla, die MusikerInnen Liz Erber & Heiko Michels, Lello Franzen & Janko Lauenberger sowie Georg Schupelius, der Jugendchor der Staatsoper Berlin mit hebräischen Liedern, Mitglieder der Jugendgeschichtswerkstatt Spandau und acht Schülerinnen der 12. Klasse des Philipp-Melanchthon-Gymnasiums aus Herzberg (Elster) mit ihrer Poetry-Slam-Performance »Früher lebt leise, wenn Heute schweigt«.
Das Berliner »Theater Anu« gestaltet auf dem Vorplatz der Gedächtniskirche eine künstlerische Installation. Sie wird vom Berliner Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf gefördert.
Ehrengäste der Gedenkveranstaltung sind Michael Meisels, Theresienstadt-Überlebender, der als Baby mit seiner Mutter und Großmutter mit dem letzten Zug vom Anhalter Bahnhof, am 27. März 1945, deportiert wurde und Prof. Dr. Heinrich-Bedford-Strohm, Vorsitzender des Weltkirchenrats mit 356 Mitgliedskirchen in 120 Ländern und mehr als einer halben Milliarde Christen/innen.
Die Stuttgarter Ilg-GmbH, die in Berlin ca. 1.700 Litfaßsäulen bewirtschaftet, ist einer der Medienpartner. Die Großplakate mit 100 Biografien, Fotografien und Stolpersteinen gestaltete der Grafiker Michael de Maizère. Wissenschaftlicher Mitarbeiter ist Henrik Frankemölle, künftiger Absolvent des interdisziplinären Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU-Berlin.
Das vom Regisseur und Kulturmanager Günter Jeschonnek initiierte Gedenkprojekt im öffentlichen Raum fördern die LOTTO Stiftung Berlin, Jan Philipp Reemtsma, die Inge Deutschkron Stiftung, die Berliner Bezirksämter von Charlottenburg-Wilmersdorf und Lichtenberg, das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung und die Stiftung für Toleranz und Völkerverständigung, Potsdam sowie private Spender.
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