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Rundgang

Zwangslager Marzahn

Mit Beginn der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 wurden Sinti und Roma nach und nach aus allen gesellschaftlichen Bereichen ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt. Auf diesem Gelände zwischen Parkfriedhof und Falkenberger Weg wurde in Zusammenhang mit der Vorbereitung auf die Olympiade 1936 eins der ersten kommunalen Zwangslager für Sinti und Roma geschaffen. Auf Befehl des Berliner Polizeipräsidenten trieben Polizeieinheiten am 16. Juli 1936 etwa 600 Sinti und Roma von ihren angemieteten Standplätzen und aus ihren Wohnungen nach Marzahn.

»Wir wurden dann eines Morgens, es kann früh um vier, fünf Uhr gewesen sein, durch die SA und die Polizei aufgeschreckt. (…) Wir wurden auf Lastwagen geladen. Unser Planwagen wurde ebenfalls mitgenommen. (…) Wir wurden nach Berlin-Marzahn verfrachtet. Offiziell hieß der Ort: Berlin-Marzahn Rastplatz. (…) Sie luden uns einfach ab. Wir wurden festgesetzt. Es hieß, keiner darf den Platz verlassen. Überall waren Gräben. Die Wiesen um uns her waren Rieselfelder. Und ständig kamen Wagen, die Jauche in diese Gräben pumpten. Es hat furchtbar gestunken.« (Otto Rosenberg, Das Brennglas, Berlin 1998)

Das Lager wurde von Polizisten bewacht. Unter unmenschlichen Bedingungen wurden durchschnittlich 1.000 Sinti und Roma in Holzbaracken und Wohnwagen zusammengepfercht und gefangen gehalten. Infolge der schlechten Versorgung und der katastrophalen sanitären Verhältnisse grassierten bald zahlreiche lebensbedrohende Krankheiten. Am 16. Dezember 1942 ordnete Heinrich Himmler, Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei, die Einweisung aller im Reichsgebiet und in den nationalsozialistisch besetzten Ländern Europas lebenden Sinti und Roma in ein Konzentrationslager an. Ab März 1943 erfolgten die Deportationen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Schätzungen zufolge wurden 500.000 Sinti und Roma von den Nationalsozialisten ermordet.

 

 

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